Industrie- und Logistikimmobilienmarkt im ersten Halbjahr 2026 robust
Flächenumsatz von rund drei Millionen Quadratmeter elf Prozent über Vorjahresergebnis – Leerstandsrate im Big-Box-Segment sinkt weiter – Spitzenmieten steigen erneut
Flächenumsatz von rund drei Millionen Quadratmeter* elf Prozent über VorjahresergebnisLeerstandsrate im Big-Box-Segment sinkt weiterSpitzenmieten steigen erneutErstanmietungen und kürzere Leerstandszeiten sprechen für zunehmende MarktaufnahmefähigkeitFrankfurt am Main – 17. Juli 2026 – Der deutsche Industrie- und Logistikimmobilienmarkt erreichte im ersten Halbjahr 2026 einen Flächenumsatz von rund drei Millionen Quadratmetern. Das entspricht im Vorjahresvergleich einem Anstieg um elf Prozent und zeigt ein Marktgeschehen, dass sich trotz eines weiterhin anspruchsvollen konjunkturellen Umfelds positiv entwickelt. Gleichzeitig setzte sich der Rückgang der Leerstandsrate im Big-Box-Segment fort, während die Spitzenmieten insbesondere in nachfragestarken Logistikregionen weiter anzogen. Dies ist das Ergebnis einer Analyse des globalen Immobiliendienstleisters CBRE.
„Der Markt zeigt sich zunehmend resilient. Während sich die gesamtwirtschaftliche Dynamik weiterhin verhalten entwickelt, bleibt die Flächennachfrage auf einem soliden Niveau. Nicht nur im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 konnte der Markt zulegen, sondern auch verglichen mit dem ersten Quartal 2026. Besonders bemerkenswert ist, dass verfügbare Flächen wieder schneller absorbiert werden als noch vor einem Jahr”, sagt Sarina Schekahn, Head of Industrial & Logistics Leasing Germany bei CBRE.
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die wieder steigende Vermietungsleistung bei gleichzeitigem Rückgang spekulativer Projektentwicklungen. Hinzu kommt, dass Neubauflächen zunehmend wieder vermehrt während der Bauphase vermietet werden. Ebenso verkürzen sich die Vermarktungszeiten von Bestandsflächen. Beide Entwicklungen sprechen für eine verbesserte Marktaufnahmefähigkeit und eine insgesamt ausgewogenere Angebots-Nachfrage-Situation.
Insgesamt ging der Big-Box-Leerstand** im Vergleich zum Ende des ersten Halbjahres 2025 um 0,1 Prozentpunkte auf 4,6 Prozent zurück. Der Peak des Leerstands wurde Ende 2025 mit fünf Prozent erreicht. Seitdem zeigen sich die Leerstände insbesondere in etablierten Logistikregionen rückläufig. Dort rückt der strukturelle Flächenmangel wieder stärker in den Fokus. Gleichzeitig gewinnen Regionen außerhalb der klassischen Ballungsräume wieder vermehrt an Bedeutung, da Nutzer gezwungen werden auf alternative Standorte auszuweichen.
E-Commerce gewinnt erneut an Dynamik
Nachdem die Nachfrage internationaler Onlinehändler bereits 2025 spürbar zugenommen hatte, setzte sich dieser Trend im ersten Halbjahr 2026 fort. Vor allem Unternehmen aus China und den USA treten wieder verstärkt als Flächennachfrager auf, verfolgen jedoch unterschiedliche Strategien.
Während US-Unternehmen überwiegend großflächige Distributionszentren in etablierten Logistikregionen sowie auch dem Osten Deutschlands suchen, konzentrieren sich chinesische Unternehmen stärker auf kleinere bis mittlere Flächen und weiten ihre Standortsuche zunehmend über Nordrhein-Westfalen hinaus auf weitere Regionen Deutschlands aus. Aufgrund der begrenzten Flächenverfügbarkeit in westdeutschen Ballungsräumen beginnen dabei auch ostdeutsche Standorte in den Fokus zu rücken.
Wettbewerb um Flächen nimmt zu
„Die Nachfrage nach geeigneten Logistikflächen wächst inzwischen aus mehreren Richtungen. Neben klassischen Industrie- und Logistiknutzern treten zunehmend auch Rechenzentren sowie Unternehmen aus dem Defense-Umfeld als Wettbewerber um geeignete Grundstücke auf”, sagt Dr. Jan Linsin, Head of Research Germany bei CBRE.
Während die Defense-Branche bislang überwiegend über Eigennutzungen am Markt aktiv ist, beeinflusst sie zunehmend die Grundstücksverfügbarkeit. Insbesondere kommunale Entwicklungsflächen stehen dadurch stärker im Wettbewerb verschiedener Nutzungsarten.
Höhere Mieten erhöhen Automatisierungsdruck
Die in vielen Regionen weiter steigenden Mieten erhöhen insbesondere im margenschwachen Kontraktlogistikgeschäft den wirtschaftlichen Druck auf Betreiber. Entsprechend gewinnen Investitionen in Automatisierung und KI-basierte Prozesse weiter an Bedeutung.
„Automatisierung entwickelt sich zunehmend vom Effizienzthema zum Wettbewerbsfaktor. Wirtschaftlich sinnvoll sind entsprechende Investitionen allerdings vor allem bei längeren Vertragslaufzeiten, während viele Nutzer weiterhin vergleichsweise kurze Mietverträge bevorzugen”, erläutert Linsin.
Darüber hinaus bleibt der Mietpreisunterschied zwischen modernen Neubauten und Bestandsobjekten deutlich sichtbar. Dies führt dazu, dass viele Nutzer verstärkt prüfen, ob sich höhere Mietkosten durch effizientere Prozesse kompensieren lassen.
Seit Ende des ersten Halbjahr 2026 stiegen die Spitzenmieten für Logistikimmobilien im Durchschnitt der Top-5-Märkte um 3,2 Prozent. In den Nebenzentren legte sie um 5,5 Prozent zu. Der stärkste Anstieg war in der Region Frankfurt/Rhein-Main mit sechs Prozent zu verzeichnen.
Ausblick auf das zweite Halbjahr
„Für das zweite Halbjahr erwarten wir eine anhaltend stabile Flächennachfrage, sodass sich ein Flächenumsatz von sechs Millionen Quadratmetern abzeichnet. Insbesondere die zunehmende Aktivität internationaler Handelsunternehmen in der Kontraktlogistik dürften den Markt stützen. Gleichzeitig bleibt das Angebot moderner Logistikflächen in vielen Kernregionen begrenzt, sodass weiterer Druck auf die Spitzenmieten wahrscheinlich ist”, prognostiziert Schekahn.
*Außerhalb der Top-5-Märkte erfasst CBRE nur Abschlüsse ab 2.500 Quadratmeter.
**Distributionshallen ≥ 10.000 m², Baujahr ≥ 2000, Hallenhöhe UKB ≥ 10 m
