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"Kein geldpolitischer Frühling: Leitzins in der Eurozone bleibt bei null Prozent"

In der letzten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) beschloss die Führungsriege unter Mario Draghi den Leitzins bei null Prozent zu belassen. Ebenso zahlen weiterhin Geschäftsbanken auf Einlagen bei der Zentralbank 0,4 Prozent Strafzinsen. Zwar erleben wir keinen geldpolitischen Umschwung, dennoch ändert die EZB ihre übliche Formulierungsweise in einem Punkt. Ordnen Sie mit uns in der heutigen Ausgabe des Zinskommentars die Entscheidung der EZB ein und erfahren Sie in welchem Ausmaß der deutsche Staat an den unkonventionellen Maßnahmen der EZB mitverdient.

  • Kurt Neuwirth - Deutschlands Zins-Experte Nr.1
Bildunterschrift: Kurt Neuwirth - Deutschlands Zins-Expert...
Deutschland, 13.03.2018 | 247 Views

Kein geldpolitischer Frühling: Leitzins in der Eurozone bleibt bei null Prozent

Ein entscheidender Satz fehlte in der letzten offiziellen Pressemitteilung der EZB am 8. März. Man verzichtete bewusst auf die Formulierung das Anleihekaufprogramm zu verlängern oder auszuweiten, sollten sich „der Ausblick trüben“ oder die Finanzierungsbedingungen nicht mehr weiter zu einer nachhaltigen Inflationsentwicklung beitragen. Damit sendet die EZB ein mehr oder weniger klares Signal an alle Marktteilnehmer, dass zumindest mit einem Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm bis September 2018 zu rechnen ist, denn genau dann endet die Laufzeit des QE-Programmes. Derzeit werden immer noch monatlich Wertpapiere in Wert von 30 Mrd. Euro gekauft. Damit bleibt die EZB ihrer bisherigen Vorgehensweise treu und schreitet nur sehr langsam in Richtung geldpolitischer Normalisierung. Expansiv bleibt die Geldpolitik auch nach Beendigung des Anleihekaufprogrammes, denn mit einer Anhebung des Leitzinses ist vor 2019 sicherlich nicht zu rechnen.

Die EZB erwirtschaftete im Jahr 2017 einen Gewinn von rund 1,275 Mrd. Euro. Besonders das hierzulande verpönte Anleihekaufprogramm brachte einen Profit von stolzen 575 Mio. Euro ein. Neben Zinseinkünften von gekauften Staatsanleihen verdient die EZB vor allem auch an der Aufsicht des Bankensystems in der Eurozone. 2017 stellte die EZB Aufsichtskosten in Höhe von 437 Mio. Euro den Banken in Rechnung. Aber für wen genau zahlen sich die gigantischen Berge an Staats- und Unternehmensanleihen aus? Die EZB gehört zu 100 Prozent allen nationalen Zentralbanken in Europa. Die Anteile der nationalen Zentralbanken am Kapital der EZB werden auf Grundlage eines Schlüssels berechnet, welcher auf der Bevölkerungsgröße und dem Bruttoinlandprodukt (BIP) beruht. Dadurch hält die Bundesbank rund 18 Prozent an der EZB und bezieht somit 230 Mio. Euro an den erwirtschafteten Überschüssen. Diese Gewinne werden dann in der Regel an den deutschen Staat weitergeleitet. Somit verdient paradoxerweise Deutschland an krisengebeutelten Ländern wie Griechenland mit.

Die Inflation bewegte sich seit Anfang 2017 solide um das Niveau von 1,5 Prozent, doch zuletzt sanken die Preise. Im Januar 2018 waren es 1,3 Prozent und im Februar lediglich 1,2 Prozent. Die Kerninflationsrate verharrt weiterhin bei 1 Prozent. Die nächsten Monate werden entscheidend für den Ausstieg aus einer ultra-lockeren Geldpolitik sein. Sollten die Preise sich zu mindestens wieder stabilisieren können, ist mit einer Beendigung des Anleihekaufprogrammes im September 2018 zu rechnen.

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