ESG, Nachhaltigkeit

Neues DGNB Rahmenwerk ebnet Gebäuden und Standorten den Weg in die Klimaneutralität

14.07.2026
Rahmenwerk für klimaneutrale Gebäude und Standorte, überarbeitete Fassung

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat eine umfassend überarbeitete Fassung ihres Rahmenwerks für klimaneutrale Gebäude und Standorte veröffentlicht. Das standardgebende Dokument schafft ein gemeinsames Verständnis für Klimaneutralität im Bauen. Zudem gibt es Orientierung für die praktische Umsetzung und Antworten, wie die Transformation konkret und nachvollziehbar gestaltet werden kann. Mit dem neuen Rahmenwerk verändern sich auch die Anforderungen zum Erhalt der DGNB Auszeichnung „Klimapositiv“. Von dieser gibt es künftig auch eine Variante für Neubauten.

„Das neue DGNB Rahmenwerk ist gewissermaßen der Gegenentwurf zum neu beschlossenen Gebäudemodernisierungsgesetz GModG“, sagt Johannes Kreißig, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Während die Bundesregierung mit dem GModG einige Schritte zurück macht beim Klimaschutz im Bauen, leistet das Rahmenwerk die notwendige Hilfestellung, um Gebäude und Standorte systematisch in Richtung Klimaneutralität zu führen. Es basiert auf wissenschaftlichen Grundlagen, ist praxistauglich und dabei so ambitioniert, dass die deutschen Klima- und Energieziele im Bauen erreichbar werden.“

Mehrwerte für unterschiedlichste Zielgruppen im Bau- und Immobiliensektor

Das DGNB Rahmenwerk richtet sich an alle Akteure, die Gebäude oder Standorte planen, entwickeln, betreiben, verwalten oder finanzieren. Eigentümern und Bestandshaltern hilft es dabei, Gebäude und Standorte langfristig zukunftssicher auszurichten und Investitionen strategisch zu priorisieren. Für Investoren und Finanzierer schafft es Transparenz über die Klimawirkung, Transformationsfähigkeit und regulatorische Anschlussfähigkeit ihrer Immobilien. Architekten und Planende unterstützt es bei der Entwicklung ganzheitlicher Transformations- und Energiekonzepte für ihre Projekte. Fachplanern und Beratenden wiederum liefert es eine strukturierte Methodik zur Bewertung, Bilanzierung und Entwicklung von Klimaschutzfahrplänen.

Auch für Betreiber und das Facility Management liefert das Rahmenwerk wertvollen Input, indem es dazu beiträgt, Energieverbräuche und Treibhausgasemissionen systematisch zu erfassen, zu optimieren und transparent zu dokumentieren. Unternehmen mit ESG- und Reportingpflichten unterstützt das Dokument bei der strukturierten Erfassung klimarelevanter Gebäudedaten und der Vorbereitung ihrer Nachweisanforderungen. Und auch für politische Entscheidungsträger und Kommunen ist das Rahmenwerk wertvoll, indem es Orientierung für die strategische Entwicklung kommunaler Gebäudeportfolios und die Umsetzung langfristiger Klimaziele bietet.

Überarbeitung sechs Jahre nach Erstveröffentlichung

Bei der ersten Version des Rahmenwerks aus dem Jahr 2020 ging es der DGNB noch vor allem darum, für den Begriff der Klimaneutralität im Bau- und Immobiliensektor eine substanzielle inhaltliche Grundlage zu schaffen und das Instrument der „Klimaschutzfahrpläne“ für Gebäude einzuführen. Seitdem hat sich viel verändert: Die geopolitischen Veränderungen haben zu den aktuellen Energiekrisen geführt. Zugleich haben sich die regulatorischen Anforderungen weiterentwickelt, die Erwartungen an die Transparenz von Klimaschutzmaßnahmen sind gestiegen und auch die praktischen Erfahrungen aus der Anwendung des Rahmenwerks haben wichtige Erkenntnisse geliefert.

Mit der Überarbeitung hat die DGNB diese Entwicklungen aufgegriffen. So wurden im neuen Rahmenwerk die Anforderungen zur Erreichung von Klimaneutralität klarer strukturiert und die Anwendbarkeit weiter verbessert. Übergeordnet hilft es noch zielgerichteter dabei, den aktuellen Klimaschutzstatus von Gebäuden zu bestimmen, realistische Transformationspfade und Maßnahmen zu definieren sowie Fortschritte transparent zu dokumentieren. Gleichzeitig ordnet das Rahmenwerk zentrale regulatorische Anforderungen wie die europäische Gebäuderichtlinie EPBD in eine anwendbare Methodik ein und unterstützt so fundierte Investitions- und Modernisierungsentscheidungen.

Klimaschutzkategorien als Kern der neuen Fassung des Rahmenwerks

Ein Schwerpunkt der Überarbeitung lag in der Einführung von Klimaschutzkategorien, die die unterschiedlichen Entwicklungsschritte auf dem Weg zur Klimaneutralität abbilden. Damit rückt nicht nur das langfristige Ziel in den Fokus, sondern auch die Frage, wie die Transformation konkret und nachvollziehbar gestaltet werden kann. Die Kategorien dienen als Etappenziele, die von Planenden und Auftraggebenden genutzt werden können, um nicht jedes Detail in einem Projekt mühsam verhandeln zu müssen. Sie sollen helfen, schneller entscheiden zu können, welche Investitionen notwendig sind und welche Änderungen einer Planung es braucht.

Darüber hinaus wurden erstmals ergänzende Energieziele integriert, da es für eine erfolgreiche Transformation nicht ausreicht, ausschließlich auf CO2-Kennwerte zu schauen. Themen wie Energieeffizienz, der Einsatz von erneuerbaren Energien und die Rolle von Gebäuden als aktive Bestandteile des Energiesystems zur Erhöhung der Versorgungssicherheit und zur Stärkung der Resilienz gewinnen zunehmend an Bedeutung.

„Angesichts der wachsenden Erwartungen an die Klimawirkung von Immobilien wird es immer wichtiger, belastbare Grundlagen für Entscheidungen zu haben“, erklärt Dr. Anna Braune, Abteilungsleiterin Forschung und Entwicklung bei der DGNB. „Hier unterstützt das Rahmenwerk als Leitlinie für die Umsetzung zielgerichteter Maßnahmen über alle Phasen des Gebäudelebenszyklus hinweg – ob mit oder ohne begleitende DGNB Zertifizierung.“

Das DGNB Rahmenwerk für klimaneutrale Gebäude und Standorte steht unter www.dgnb.de/rahmenwerk als Download zur Verfügung. Eine digitale Informationsveranstaltung zum neuen Orientierungsrahmen findet am Freitag, den 17. Juli 2026 ab 11:30 Uhr statt. Eine Anmeldung ist kostenlos über die Website der DGNB möglich.

Anpassungen bei der DGNB Auszeichnung „Klimapositiv“

Im Zuge der Überarbeitung des Rahmenwerks und der darin neu eingeführten Klimaschutzkategorien wurde auch die Vergabegrundlage für die DGNB Auszeichnung „Klimapositiv“ neu justiert.

Wie bislang werden mit der Klimapositiv-Auszeichnung Projekte prämiert, die seit mindestens einem Jahr im Regelbetrieb sind und basierend auf ihren realen Verbrauchsdaten nachweislich mindestens klimaneutral betrieben werden. Konkret bedeutet dies, dass bei einem Gebäude oder Standort auf ein Jahr gerechnet das Ergebnis der Treibhausgasbilanz des Betriebs des Gebäudes kleiner oder gleich null nachgewiesen werden muss. Wird Energie am oder im Gebäude im Überschuss produziert und anderen zur Verfügung gestellt, können die positiven Effekte davon geltend gemacht und einberechnet werden.

Neu dazu kommt mit „Klimapositiv geplant und gebaut“ ab sofort eine Variante der Auszeichnung für Projekte, die noch nicht seit mindestens einem Jahr in einem Regelbetrieb sind und deshalb nicht mit realen Messdaten die fachlichen Grundlagen bestätigen können. Dies sind Neubau- und Sanierungsprojekte nach Fertigstellung der Baumaßnahmen. Alle Nachweise werden hier auf Basis von Bestätigungen für geplante und gegebenenfalls bereits realisierte Gebäudeeigenschaften und Daten aus Berechnungen oder Simulationen geführt.

Keine vollständige Zertifizierung notwendig zum Erhalt der Auszeichnung

Beide Varianten der Auszeichnung werden mit einer Gültigkeit von drei Jahren verliehen. Es gibt die Möglichkeit einer Verlängerung der Gültigkeit bei entsprechender Dokumentation der für die Bewertung benötigten Messwerte. Im Falle der neuen DGNB Auszeichnung „Klimapositiv geplant und gebaut“ erfolgt diese Nachweisführung über den regulären Prozess einer DGNB Zertifizierung für Gebäude im Betrieb. Nach erfolgreicher Prüfung wird dem Projekt die reguläre DGNB Auszeichnung „Klimapositiv“ vergeben.

Dabei ist es zulässig, lediglich die für die Klimapositiv-Auszeichnung relevanten Indikatoren des Zertifizierungssystems nachzuweisen, und die anderen Kriterien und Indikatoren unbearbeitet zu lassen. Es ist also anders als bisher nicht notwendig eine vollständige DGNB Zertifizierung für Gebäude im Betrieb durchzuführen, um die Auszeichnung zu erhalten.

Alle Informationen zur DGNB Auszeichnung „Klimapositiv“ gibt es unter www.dgnb.de/klimapositiv.