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PropTechs: Die Startup-Szene der Immobilienbranche konsolidiert sich

Die digitalen Technologien haben endgültig den Immobiliensektor erreicht. Über 100 PropTechs sind bereits in Deutschland aktiv und versuchen, die Prozesse rund um Kauf, Verkauf, Vermietung und Bewirtschaftung von Immobilien über ihre neu geschaffenen Plattformen und Apps abzuwickeln. War 2015 das Jahr der Gründungen, so könnte 2016 das Jahr der Weichenstellungen werden: Den ersten Startups geht die Luft aus, andere werden durch neue, millionenschwere Investitionen bestätigt. Die junge Szene konsolidiert sich – und nähert sich der klassischen Immobilienbranche weiter an.

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  • Quelle: Eric Sturm, Berlin
Bildunterschrift: Quelle: Eric Sturm, Berlin
Deutschland, 11.10.2016 | 1919 Views
Berlin-Kreuzberg im April 2016: Auf Einladung der Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e. V. (gif) treffen Gründer aus der PropTech-Szene auf Vertreter der "traditionellen" Immobilienbranche. In dem engen, im Kreuzberger "Shabby Chic" dekorierten Vortragssaal mit angrenzendem Coworking Space diskutieren die Teilnehmer über die technischen Entwicklungen in der Immobilienwelt. Dabei geht es nicht (mehr) darum ob, sondern "wie" die digitale Transformation die gesamte Branche verändern wird. Das zeigt die Akzeptanz, die die jungen Startups bereits erreicht haben.

Überblick: Die Geschäftsmodelle der PropTechs

"PropTech" steht als Abkürzung für den englischen Begriff "Property Technology" (auf Deutsch etwa: "Immobilien und Technologie") und umfasst eine ganze Bandbreite von Geschäftsmodellen. Sie reicht von der App für die Suche nach einer geeigneten WG über Plattformen für Crowd-Investments in Immobilien bis hin zu Smart Building-Anwendungen via Internet.

Die Übersicht "Digital Real Estate Deutschland", die Jonas Haberkorn jeden Monat in seinem Blog gewerbe-quadrat.de veröffentlicht, zählt im Mai 2016 insgesamt 105 Startups, die der PropTech-Landschaft zuzurechnen sind. Er unterscheidet dabei folgende Arten von PropTechs (in Klammern die Anzahl der Firmen, die in diesem Segment momentan auf dem deutschen Markt aktiv sind):

  • Vermietung und Verkauf von Immobilien (38 Firmen)
  • Immobilienportale und Marktplätze (27)
  • Datenräume und Datenmanagement (15)
  • Crowdfunding für Immobilien (13)
  • Temporäre Vermietung (12)
  • 3D-Technologien, Augmented Reality und Virtual Reality (10)
  • Smart Building / Internet of Things (8)
  • Maklervermittlungen und Maklerbewertungen (5)
  • Sonstige (19)

Nur 10% der Startups überleben

Es ist allgemeiner Konsens, dass die meisten der hoffnungsvoll gestarteten Firmen früher oder später ihren Geschäftsbetrieb einstellen müssen. Nur gut 10% der Startups "überleben". Welche Firmen das sein könnten, macht ein Blick auf die Finanzierungsrunden, Übernahmen und Beteiligungen der letzten Monate deutlich. Hier eine kleine Auswahl:

  • Realbest aus Berlin erhielt bereits 2015 u. a. von der IBB und Ventech eine Millionensumme als Finanzierung. Im Februar 2016 bekommt die Immobilienplattform von neuen Investoren erneut eine siebenstellige Summe.
  • Conject entwickelt SaaS-Lösungen für das Bauprojektmanagement und die Immobilienverwaltung. Im Jahr 2000 wurde das Startup von 12 Digitalisierungs-Pionieren gegründet. Im März 2016 kauft australische Softwareunternehmen Aconex kauft den Münchner Anbieter für 65 Millionen Euro, um den europäischen Markt besser abdecken zu können.
  • mietercasting.de, das Mieter und Vermieter in einem digitalisierten Prozess zusammenführt, erhält im April 2016 eine weitere Finanzierungsrunde, im siebenstelligen Bereich.
  • April 2016: Die Immobilien-Crowdinvesting-Plattform BrickVest hat vier Wochen nach dem Start bereits eine Million Euro, eingesammelt bei ca. 1.500 Nutzern, in Immobilienprojekte in Deutschland und Großbritannien investiert.
  • Der US-amerikanische Immobilienkonzern Jones Lang LaSalle und der Innovationsfonds Hamburg beteiligt sich im April 2016 am Makler-Startup Maklaro (ehemals ImCheck). "Die Bewertung von Maklaro dürfte nun im hohen siebenstelligen Bereich liegen" vermutet deutsche-startups.de.
  • Licht und Schatten bei den Makler-Startups

    Nicht alle Startups können wie "Maklaro" auf derart prominente Unterstützung aus der Immobilienbranche zählen. Nach dem Inkrafttreten des "Bestellerprinzips" versuchten sich diverse junge Firmen als kostengünstige und moderne Alternative zu Maklern zu etablieren – und sind seither als direkte Konkurrenz dem besonderen Argwohn der traditionellen Immobilienvermittler ausgesetzt. Auch die Stiftung Warentest kritisiert, dass für die Startups statt Immobilienprofis "Mitarbeiter ohne einschlägige Ausbildung" arbeiten würden. "Sie verdienen sich ein paar Euro dazu, indem sie Interessenten Wohnungen zeigen oder ein Exposée erstellen".

    Das Blog "Gründerszene" hat nach einem halben Jahr Bilanz gezogen und eine Marktübersicht der Makler-Startups erstellt. Das Fazit ist relativ ernüchternd: Einige Anbieter fallen bereits aus der Untersuchung heraus, weil sie fast keine Angebote im Netz haben. Das Rocket Internet-Startup Vendomo wurde Ende 2015 eingestellt. (Ein Schicksal übrigens, dass kurze Zeit später auch dem Makler-Service von Immobilienscout24 widerfuhr, siehe unten.) McMakler hat zum Untersuchungszeitpunkt im Januar 2016 mit 210 Angeboten die meisten Immobilien online. Als einziger Anbieter sieht hier auch die Wachstumskurve vielversprechend aus, ein wichtiges Bewertungskriterium bei Startups. Doch Gründerszene-Autor Caspar Tobias Schlenk weist zum Vergleich auf Engel & Völkers hin, einen der größten klassischen Immobilienmakler: Er hat "etwa 650 Wohnungen und Häuser zur Miete im Angebot und bietet mehr als 1.700 Immobilien zum Kauf an".

    Beispiel Immobilienscout24: Neue Services, ein hauseigener Inkubator und Startup-Beteiligungen

    Das Auftauchen der ersten Immobilienportale um die Jahrtausendwende bedeutete das, was die jungen Gründer von heute so gerne "Disruption" nennen: Die traditionellen Marktplätze für Immobilien, die Anzeigenseiten der gedruckten Zeitungen, verloren rapide an Bedeutung. Betroffen war damals nicht wie heute die Immobilienbranche selbst, sondern "nur" die traditionellen Verlagshäuser. Die Entwicklung der digitalen Technologien macht aus den Newcomern von damals die (angreifbaren) Platzhirsche von heute. Die Scout24-Gruppe, zu der Marktführer Immobilienscout24 gehört, hat die Zeichen der Zeit erkannt und bereits 2010 einen unternehmenseigenen Inkubator gegründet: "You Is Now" unterstützt Gründer mit Finanzierungen, Know-how und den Ressourcen der Unternehmensgruppe. Mit einem knappen Dutzend Startups aus der PropTech-Szene arbeitete der Inkubator bisher. „Wir sind kontinuierlich paranoid“ sagt Volker Wolfahrt von Immoscout24 augenzwinkernd über den Ansatz seines Unternehmens, mit Hilfe des Inkubators auch die Konkurrenz der Zukunft im Auge zu behalten. "Es werden Akteure gewinnen, die die Digitalisierung für sich nutzen können" so der PropTech-Experte. Die letzten Neuzugänge Ende 2015: "eywalk", eine Plattform für selbstgedrehte Videos aus dem Wohnumfeld, und VRnow, eine Art "Wohnungs-Besichtigungs-App" die Virtual-Reality-Rundgänge und damit Wohnungsbesichtigungen aus der Ferne ermöglicht.

    Mit "classmarkets" übernahm ImmobilienScout24 Ende 2015 ein bereits etabliertes Startup von Rocket Internet. Das 2008 gegründete Unternehmen betreibt für seine Kunden Online-Marktplätze (Immobilien, Jobs, Fahrzeuge) und sieht sich als "Technologiepartner für Verlage und Medienhäuser". Der Kauf ist also eine nachvollziehbare Erweiterung des Unternehmensportfolios von IS24.

    Aber auch Marktplätze, die recht nah am eigenen Geschäftsmodell dran sind, sind für ImmobilienScout24 interessant: Im Dezember 2015 beteiligte sich das Unternehmen mit 15% an "Salz&Brot" – ebenfalls ein Start-up aus dem hauseigenen "Brutkasten". Aus über 30 Städten listet das Düsseldorfer Unternehmen ausgewählte Wohnungsinserate auf. Ziel der Beteiligung: Eine stärkere Präsenz bei der jungen, gut vernetzten Zielgruppe. Außerdem möchte man "die Funktionsweise der Immobilienvermarktung in Netzwerken wie Facebook besser verstehen. Dafür integrieren wir jetzt schon Teile unserer Wohnungsobjekte bei Salz&Brot." sagt Christoph Monnet von Scout24.

    Doch wer viel experimentiert, muss hin und wieder mal die Reissleine ziehen: Wie viele der neuen PropTechs startete ImmobilienScout24 im Sommer 2015 einen "Komplett-Service für Vermieter". Von der Grundriss- und Foto-Erstellung bis hin zur Wohnungsbesichtigung konnten Nutzer zum Festpreis den Prozess digital über das Immobilienportal abwickeln. Eine Alternative des Marktführers zu Startups wie McMakler. die Vor-Ort-Termine übernahm dabei das Münchner Unternehmen On-Geo. Doch nach weniger als einem Jahr war Schluss: Anfang März 2016 wurde der Dienst überraschenderweise schon wieder eingestellt.

    Autor: Dipl.-Ing. Eric Sturm, Berlin

    Dieser Fachartikel erschien in der Ausgabe 06/2016 der Zeitschrift immobilienmanager.

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