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05.11.2021 Digital(es)Sonstiges

Deutsche PropTechs fordern eine Reform der Betriebskostenverordnung

Die PropTechs in Deutschland mobilisieren für eine Reform der Betriebskostenverordnung (BetrKV). Dr. Franka Birke, PropTech-Beauftragte des ZIA und Gründerin von metr, ruft gemeinsam mit Karsten Nölling, CEO von KIWI.KI und Sarah Schlesinger, Geschäftsführerin von blackprint Booster zu einer Reform der BertKV auf.

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Quelle: Konii
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Die derzeit geltende Betriebskostenverordnung (BetrKV) stammt aus dem Jahr 2004. Damals war Gerhard Schröder noch Bundeskanzler und der Begriff "PropTech" unbekannt. Eine Verordnung also, die inhaltlich viele technische Entwicklungen, die heute Standard sind, ausschließt. Die aktuellen Regelungen verhindern Innovation, mehr Energieeffizienz und CO2- Einsparungen. Den Grund dafür sehen die PropTechs am Investor-Nutzer-Dilemma: Es profitieren andere Personen, als diejenigen, die die Dienstleistungen gemäß Betriebskostenverordnung beauftragen und bezahlen müssen. Das liegt auch daran, dass 2004 die Effekte von Dienstleistungen und Produkten nur vertikal wirkten. Heute haben digitale Produkte und Dienstleistungen rund um Smart Building, das Smart Home und die Smart City größtenteils Querschnittsfunktionen. Die Effizienzgewinne oder das Plus an Nachhaltigkeit kommen Mietern, Betreibern und Eigentümern zugute. Sie liegen allerdings oft quer über alle Betriebskosten – vom Messdienst über den Aufzug bis zur Müllentsorgung.

Der Fehler: Klassische Betriebskosten sind auf analoge Dienstleistungen ausgelegt

Die Aufwendungen für digitale Tools, um Immobilien zu verwalten und bewirtschaften, finden bis dato keinen Platz in den klassischen Betriebskosten. Das gilt auch für Investitionen in die dazu nötige digitale Infrastruktur. Noch sind die Betriebskosten auf analoge Dienstleistungen ausgelegt. Das verhindert, so die Initiatoren, eine schnellere Durchdringung des Gebäudes mit digitalen Technologien für mehr Gesundheit, Wohlergehen der Nutzer und mehr Umweltschutz. Die Kosten und Vorteile, die smarte digitale Anwendungen bieten sind aus Eigentümersicht ungleich verteilt. Den Nutzen hat der Mieter, den Aufwand der Eigentümer. Die fehlende Reform der BetrKV verhindert letztlich schnelle und wichtige Innovation im Immobiliensektor.

Gesetzlichen Rahmen schaffen, um Klimaziele zu erreichen

Die Geschäftsführerin von blackprint Booster, Sarah Schlesinger unterstützt die Initiative. Zu Recht weist sie darauf hin, dass der Gebäudesektor nachweislich einer der größten Emittenten von CO2 ist und erst kürzlich die Klimaziele verfehlt hat. "Obwohl die Technologie vorhanden ist, hemmen Gesetze voller Silodenken aus dem letzten Jahrhundert Maßnahmen und Investitionen für mehr Nachhaltigkeit und auch für mehr Wohngesundheit oder Nutzerkomfort", sagt Sarah Schlesinger. Die Forderung der PropTechs ist eindeutig. Sie wollen eine Inklusivmiete. Um glaubwürdig Klimapolitik zu machen, soll die neue Koaltion eine Inklusivmiete einführen. Diese wird Wohnungsunternehmen ausreichend Anreize für Einsparungen bieten. Als Beispiel empfiehlt die Gründerin von metr Dr. Franka Birke den Blick nach Schweden. Für den Fall, dass eine Inklusivmiete für die Koalition undenkbar ist, fordern die Initiatoren, dass digitale Tools und Infrastrukturen in den Betriebskosten abgebildet werden.

Was die Reform praktisch bedeutet

Karsten Nölling ist CEO von KIWI.KI in Berlin. Das PropTech stellt digitale Zugangssysteme her. Gemeinsam mit Dr. Franka Birke und Sarah Schlesinger hat er für die PropTechs die Stimme erhoben. Durch die technischen Lösungen von Unternehmen wie KIWI.KI kann in der Wohnungswirtschaft erheblich CO2 eingespart werden. "Allein durch die Logistik gehen wir konservativ von 70 kg CO2 Einsparungen pro Jahr aus, die mit einem digitalen Zutrittssystem pro Mehrfamilienhaus mit 10 Wohneinheiten gespart werden", erklärt Karsten Nölling. Dabei setzt er voraus, dass sich durch digitale Schließsystem Handwerker und Hausverwalter viele Fahrten einsparen, um z. B. den Schlüssel zu übergeben. Paketzusteller sparen sich den zweiten Zustellversuch, wenn sie über ein digitales Zutrittssystem das Paket sicher ablegen können. Die Liste solcher Beispiele ließe sich laut Nölling beliebig erweitern. Auch Mieter-Apps, sieht Nölling noch außerhalb der geltenden BetrKV. Die Anwendungen wie z. B. die von Allthings, Animus oder Casavi, über die Mieter papierlos z. B. die Nebenkostenabrechnung erhalten, Schäden melden können oder Verbrauchsinformationen bekommen, helfen CO2 einzusparen und Kosten zu senken.

Das Klimapotential von Querschnittsfunktionen heben

Die meisten digitalen Produkte wirken weit über einen Anwendungsfall hinaus. In Tools, wie zum Beispiel Thing-it von THING TECHNOLOGIES, sind Zutrittskontrolle, ESG-Dashboards, Raumsteuerung und Desk Booking integriert. Bei Büroimmobilien oder gemischt genutzten Gebäuden ist es noch einmal schwieriger Profiteur und Kostenträger zu trennen. In einer Immobilie, in der Wohnen, Gastronomie, Hotel und Büro untergebracht sind, gibt es eine smarte Building Operations Platform und unterschiedliche Nutzer. Daher wirkt eine Reform der Betriebskostenverordnung weit über den Bereich Wohnen hinaus. Dr. Marc Gille, CEO und Gründer von THING TECHNOLOGIES begrüßt die Forderung der PropTechs. Er bringt es auf den Punkt und fordert die Koalitionspartner zu raschem Handeln auf: "Ausbremsen von digital unterstütztem, nachhaltigem Immobilienbetrieb durch eine Betriebskostenverordnung aus dem Analogzeitalter? An die Arbeit, Ampel!”

Gemeinsam stark

Wer das Engagement von metr Gründerin Dr. Franka Birke, KWI.KI CEO Karsten Nölling und blackprint Booster Geschäftsführerin Sarah Schlesinger unterstützen möchte, schickt eine E-Mail mit „Ja, ich bin dabei“ an Dr. Franka Birke.

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