WiredScore-Studie belegt: Deutsche Büroimmobilien sind nur bedingt resilient
- Berlin, München und Frankfurt schaffen es in der internationalen Studie unter die Top 20 weltweit - Stärken bei physischer Resilienz – Nachholbedarf bei digitaler und Cyber-Resilienz - Schäden durch Cyberkriminalität steigen bis 2027 weltweit auf rund 23 Billionen US-Dollar
WiredScore, die internationale Organisation hinter den Zertifizierungen für digitale Konnektivität und intelligente Gebäudetechnologie, hat erstmals den Global Cities Resilience Index 2026 veröffentlicht. Der Index analysiert die Widerstandsfähigkeit von Gebäuden in den weltweit wichtigsten Metropolen entlang der drei Dimensionen physische Resilienz, digitale Resilienz und Cyber-Resilienz.
Der Index erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem Immobilien weltweit unter zunehmendem Druck stehen. Klimabedingte Extremereignisse, steigende Abhängigkeit von digitaler Infrastruktur und eine rapide wachsende Zahl von Cyberangriffen verändern die Anforderungen an Gebäude grundlegend.
Laut Studie wird Cyberkriminalität bis 2027 weltweit Schäden von rund 23 Billionen US-Dollar verursachen. Gleichzeitig betreiben 75 Prozent [1] der Unternehmen Gebäudemanagementsysteme mit bekannten Sicherheitslücken.
Städte wie Chicago, Singapur, Dubai und Madrid führen den Index an. Für Deutschland zeigt die Analyse ein differenziertes Bild. Im Gesamtranking der Top 20 resilientesten Städte weltweit liegt München auf Platz 8, Berlin auf Platz 10 und Frankfurt am Main auf Platz 13. Die Gebäude in den untersuchten deutschen Städten verfügen über vergleichsweise robuste physische Grundlagen. Dazu zählen zum Beispiel eine Backup-Spannungsversorgung oder der Schutz vor Hochwasser und Starkregenereignissen.
Allerdings liegen deutsche Gebäude bei digitaler Infrastruktur und Cyber-Resilienz unter dem globalen Durchschnitt.

Deutschland: solide Substanz und digitale Schwachstellen
Die Daten zeigen, dass viele Bürogebäude in Berlin, München und Frankfurt zwar baulich stabil sind, jedoch nicht ausreichend auf zunehmende Abhängigkeiten von digitalen Systemen vorbereitet. Alternde Gebäudestrukturen, fragmentierte IT-Verantwortlichkeiten und fehlende standardisierte Cyber-Sicherheitsprüfungen bremsen die Resilienz auf Gebäudeebene.
Gerade in wirtschaftlich hoch vernetzten Städten wie Frankfurt, mit seiner Bedeutung als Finanz- und Rechenzentrumsstandort, oder Berlin und München als Technologie- und Verwaltungszentren, wird deutlich: Bürogebäude sind längst Teil der kritischen Infrastruktur. Fällt die digitale oder energetische Versorgung aus, stehen nicht nur einzelne Unternehmen still, sondern ganze Wertschöpfungsketten.
Frankfurt punktet durch eine starke physische Resilienz (Platz 5), fällt aber digital auf Platz 12 und bei Cyber-Resilienz auf Platz 13 (nur 44 Prozent). München und Berlin liegen unter dem globalen Schnitt in Digital- und Cyber-Resilienz. Dieses Bild ist typisch für Europa mit alterndem Gebäudebestand.
Cyber-Resilienz als blinder Fleck
Der Index weist für Europa insgesamt – und damit auch für deutsche Städte – eine systemische Schwäche bei der Cyber-Resilienz aus. Zwar verfügen die meisten Gebäude über formale Sicherheitsrichtlinien, doch nur rund 57 Prozent führen regelmäßige, überprüfbare Vor-Ort-Assessments durch. Besonders problematisch ist die sogenannte Betriebstechnik (Operational Technology, OT): 50 Prozent [2] aller 2024 bei der United States Securities and Exchange Commission (SEC) gemeldeten Cybervorfälle betrafen die Betriebstechnik.
Physische Resilienz neu definiert
Auch die physische Resilienz wird im Index neu bewertet. Entscheidend ist nicht mehr allein die bauliche Stabilität, sondern die Fähigkeit eines Gebäudes, während einer Krise funktionsfähig zu bleiben. Strom- und Wasserausfälle gelten laut Studie als zentrale Schwachstellen, da sie digitale Systeme unmittelbar lahmlegen. Positiv: Der Anteil von Gebäuden mit Hochwasser- und Leckageschutz hat sich international seit 2022 verdoppelt – ein Trend, der für deutsche Bestandsimmobilien zunehmend relevant wird.
Digitale Konnektivität als wirtschaftlicher Faktor
Ein weiterer Fokus der Studie liegt auf digitaler Konnektivität. Mit der schrittweisen Abschaltung von 2G- und 3G-Netzen treten Defizite in der Gebäudeinfrastruktur offen zutage. Internationale Vergleichsdaten zeigen, dass schlechte Konnektivität erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht. Dadurch ergeben sich Produktivitätsverluste, kürzere Mietdauern und steigende Leerstände. Für den deutschen Markt bedeutet das, die digitale Infrastruktur wird vom Komfortmerkmal zum wirtschaftlichen Risikofaktor.
KI verschärft den Handlungsdruck
Der Index warnt zudem vor einem wachsenden Missverhältnis zwischen KI-Strategien von Unternehmen und der Leistungsfähigkeit ihrer Immobilien. Zwar pilotieren 92 Prozent [3] der Nutzer KI-Anwendungen, doch nur 5 Prozent können diese bislang erfolgreich skalieren. Häufig mangelt es an einer unzureichenden digitalen Gebäudeinfrastruktur. Mit der Prognose, dass bis Ende 2026 40 Prozent aller Unternehmenssoftware KI-basiert sein wird, steigt der Druck auf Eigentümer und Betreiber weiter.
„Gebäude sind heute digitale Systeme mit einer physischen Hülle“, sagt Merle Aldegarmann, Geschäftsführerin WiredScore DACH. „Unsere Daten zeigen klar: Auch in Deutschland entscheidet sich der langfristige Wert von Immobilien zunehmend daran, ob Gebäude digital stabil, cyber-sicher und im Krisenfall funktionsfähig bleiben. Gerade Bürogebäude spielen dabei eine zentrale Rolle für die Resilienz von Wirtschaft und Gesellschaft.“
Der WiredScore Global Cities Resilience Index 2026 macht deutlich: Resilienz ist kein abstraktes Zukunftsthema mehr. Sie entsteht auf Gebäudeebene und wird damit zu einem entscheidenden Faktor für Standortattraktivität, Investitionssicherheit und wirtschaftliche Stabilität in deutschen Städten.
Quellen
Quellen:
[1] Claroty Team82’s State of CPS Security 2025 Report: Building Management System Exposures, Claroty, 2025
[2] IoT Hacking Statistics 2025: The Definitive Report on Threats, Risks & Regulations, Deep Strike, 2025
[3] Real estate’s AI reality check: 90 percent of companies piloting, only 5 percent achieved all AI goals, JLL, 2025
