Interhyp Zins-Update September: Bauzinsen über vier Prozent – wie geht es jetzt weiter?
Bauzinsen für zehnjährige Darlehen steigen auf rund 4,2 Prozent - Aufwärtstrend bei kurzen Laufzeiten hält an
Die Bauzinsen für 10-jährige Darlehen liegen aktuell bei knapp 4,2 Prozent. Während die Europäische Zentralbank (EZB) am heutigen Donnerstag die Leitzinsen wie vom Markt erwartet angehoben hat, haben die Bauzinsen bereits in den Wochen zuvor kontinuierlich angezogen.
„Immobilienkäufer sollten sich weniger an einzelnen EZB-Schritten als an den Entwicklungen am Anleihemarkt orientieren.“, erläutert Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender der Interhyp AG. „Die hohen Energiepreise hatten zuletzt an den Kapitalmärkten die Sorge vor einer länger anhaltenden Inflation verstärkt. Dadurch sind die Renditen langfristiger Staatsanleihen spürbar gestiegen, was auch die Bauzinsen nach oben gezogen hat. Käuferinnen und Käufer sollten sich darauf einstellen, dass das Niveau vorerst oberhalb der 4-Prozent-Marke bleibt.“
Experten-Panel: Fokus auf Kapitalmarkt und Geopolitik
Das aktuelle Interhyp-Bankenpanel spiegelt die Volatilität der Finanzmärkte wider. Bei der kurzfristigen Prognose (nächste ein bis zwei Monate) sind die Experten unentschieden: 50 Prozent rechnen mit weiter steigenden Notierungen, während die anderen 50 Prozent von einer Seitwärtsbewegung auf dem aktuellen Niveau ausgehen.
Mit Blick auf das Jahresende zeigt sich folgendes Bild: Das Panel ist exakt gedrittelt. Jeweils rund 33 Prozent der Befragten erwarten steigende, gleichbleibende oder wieder fallende Zinsen. Diese Uneinigkeit unterstreicht, wie sehr die künftige Entwicklung von externen Faktoren wie der Inflation und geopolitischen Spannungen abhängt.
Ein Panel-Teilnehmer erklärt: „Der Anstieg der Kapitalmarktzinsen sollte in den kommenden Wochen auch die Baufinanzierungs-Zinsen noch ein Stück weiter nach oben drücken. Zum Ende des Monats sollte aber die Erkenntnis zunehmen, dass die EZB maximal noch eine Zinserhöhung durchführen wird, da die Inflation zu wenig Zweitrundeneffekten führen wird. Damit sollten die langfristigen Zinsen auch wieder etwas nachgeben.“
Neben der Geldpolitik wirken vor allem globale Krisen auf die Renditen: „Kurzfristig bestimmt weiterhin die Lage im Nahen Osten die Zinsentwicklung. Derweil hat sich die Konjunkturstimmung in diesem Monat weiter verbessert und die Sorgen vor einer Rezession werden trotz erhöhter Energiepreise zurückgedrängt. Die EZB dürfte die Leitzinsen im September nochmal anheben, was die Kreditzinsen aber nicht mehr signifikant beeinflussen sollte.“
Die Verknüpfung von Fiskalpolitik und Marktzinsen bleibt laut Panel ein wesentlicher Faktor: „Die Kombination aus dem Iran-Konflikt, der EZB-Zinserhöhung vom Juni und den globalen Fiskalprogrammen – insbesondere die europäische Aufrüstung – hält den Aufwärtsdruck auf die langfristigen Renditen aufrecht. Die 10-Jahres-Hypothekenzinsen dürften bis Ende September moderat steigen, da der jüngste Bund-Renditeanstieg noch nicht vollständig in die Konditionen eingepreist ist. Erst ein nachhaltiger Waffenstillstand im Nahen Osten oder ein deutlicher Konjunktureinbruch würde die Zinswende nach unten einleiten – beides ist kurzfristig nicht absehbar.“
Fazit für Immobilieninteressierte
Trotz der leichten Aufwärtstendenz bei den Zinsen sieht Jörg Utecht keinen Grund für Torschlusspanik, rät aber zu einer akribischen Vorbereitung: „Zinsen um die vier Prozent sind die neue Realität, auf die man sich einstellen kann. Besonders in einem solchen Umfeld ist es wichtig, den Markt zu vergleichen, um den optimalen Kreditgeber für das individuelle Finanzierungsvorhaben zu finden. Gleichzeitig ist der Zins wichtig, aber nicht alles. Eine Baufinanzierung besteht am Ende immer aus vielen Bausteinen. Auch die gewählte Zinsbindung oder Tilgungsrate haben einen Einfluss auf die monatliche Rate. Kreditnehmer sollten außerdem prüfen, ob sich staatliche Förderprogramme in die Finanzierung einbinden lassen. Wer heute klug vergleicht und sich professionelle Unterstützung holt, findet auch in diesem Umfeld eine Finanzierung, die langfristig in die Lebensplanung passt.“
