Bau und Immobilien haben kein KI-Problem – sie haben ein Prozessproblem
Neue Branchenzahlen zeigen: Bau- und Immobilienunternehmen erkennen das Potenzial von KI durchaus an. Trotzdem hält sich ein Großteil bei Investitionen zurück. Vor der EXPO REAL rückt deshalb eine unbequeme Frage in den Mittelpunkt: Woran liegt das eigentlich?
Auf der EXPO REAL wird man dieses Jahr kaum um KI herumkommen. Interessant wird es aber erst bei der Frage dahinter: nicht, ob die Technologie funktioniert, sondern ob die Daten stimmen, mit denen sie arbeitet.
Eine eigene, groß angelegte PlanRadar-Studie unter 1.728 Bau- und Immobilienfachkräften in 14 Ländern liefert dazu aufschlussreiche Zahlen: 58 Prozent der Befragten glauben, dass KI ihre größten täglichen Herausforderungen verringern kann – vor allem bei der Einhaltung von Zeitplänen und im Umgang mit Änderungen während laufender Projekte. Trotzdem plant fast die Hälfte aktuell keine Investitionen in KI-gestützte Tools.
Aufschlussreich ist dabei vor allem, woran diese Zurückhaltung nicht liegt: Angst vor Jobverlust spielt praktisch keine Rolle, nur 6 Prozent nennen sie als Sorge. Das passt zu einer Branche, die seit Jahren nicht zu viele, sondern zu wenige Fachkräfte hat – KI wird hier weniger als Bedrohung wahrgenommen denn als eine der wenigen Möglichkeiten, den anhaltenden Fachkräftemangel überhaupt aufzufangen. Als größte Hürde gelten stattdessen die Genauigkeit und Verlässlichkeit von KI-Ergebnissen, gefolgt von Datenschutz. Dahinter steckt ein einfacher Zusammenhang: KI ist immer nur so gut wie die Daten, mit denen sie arbeitet. Viele Unternehmen haben ihre Datenerfassung schlicht noch nicht so aufgestellt, dass verlässliche Ergebnisse entstehen können.
Für Projektentwickler und Bauherren ist das mehr als eine technische Fußnote. Wer Kapital bindet und das Projektrisiko trägt, braucht am Ende keine beeindruckenden Demos, sondern verlässliche Antworten: Wo steht ein Projekt wirklich? Wo entstehen Risiken? Welche Entscheidungen sind offen? Es geht um bessere Sichtbarkeit, geringeres Risiko und fundiertere Entscheidungen – nicht um sauberere Daten als Selbstzweck.
Vom KI-Werkzeug zum handelnden Assistenten
Diese Lücke zwischen Potenzial und Umsetzung wird gerade jetzt wichtiger, weil sich KI von einem reinen Nachschlagewerkzeug zu etwas verändert, das aktiv mitarbeitet. KI-Agenten suchen nicht nur Informationen oder fassen sie zusammen – sie bereiten Aufgaben vor, werten Projektdaten aus, stoßen Vorgänge an und geben Ergebnisse strukturiert an die richtigen Personen weiter.
Wie das aussehen kann, zeigt sich an einem einfachen Beispiel: Ein Agent behält ein Projekt kontinuierlich im Blick. Wird vor Ort eine Beobachtung per Sprache erfasst, wandelt er sie automatisch in ein strukturiertes Ticket um und ordnet sie dem passenden Vorgang zu. Derselbe Agent kann laufend den Projektfortschritt zusammenfassen und frühzeitig auf Risiken hinweisen – vorbereitet auf die nächste Entscheidung oder Besprechung, statt erst danach. Die fachliche Freigabe bleibt beim Menschen, ein Großteil der Vor- und Nacharbeit läuft automatisiert im Hintergrund.
Damit verändert sich nicht nur, wie schnell Aufgaben erledigt werden, sondern welche Prozesse überhaupt noch sinnvoll sind. Etablierte Freigabeketten, manuelle Übergaben zwischen Gewerken oder wöchentliche Statusrunden werden zunehmend infrage gestellt, wenn ein System einen Großteil dieser Informationen bereits automatisch erfasst. Wer KI einführt, ohne die bisherigen Abläufe zu hinterfragen, verschenkt damit einen Großteil des möglichen Nutzens – und läuft Gefahr, aus lückenhaften Daten überzeugend klingende, aber wenig belastbare Ergebnisse zu erhalten.
Drei Voraussetzungen für verlässliche KI-Ergebnisse
Erstens müssen Daten von Anfang an sauber erfasst werden. Fotos, Pläne, Tickets, Protokolle, Freigaben – all das braucht einen klaren Projektbezug. Wird es erst im Nachhinein aus E-Mails und verstreuten Ablagen zusammengesucht, gehen die wichtigen Zusammenhänge meist schon verloren. Wird eine Beobachtung dagegen direkt vor Ort strukturiert erfasst, statt sie später zu rekonstruieren, lassen sich die daraus abgeleiteten KI-Ergebnisse auch entsprechend verlässlich nutzen.
Wie eng das mit der KI-Frage selbst zusammenhängt, bringt Martin Pietzonka, Senior Leiter Innovation bei der Drees & Sommer-Gruppe und Head of Startup Hub, auf den Punkt: KI stehe für einen grundlegenden Wandel darin, wie Organisationen aus Daten Wert schöpfen – und sei letztlich nur so leistungsfähig wie die Informationen, mit denen sie arbeite.
Zweitens braucht es Prozesse, die tatsächlich überarbeitet statt nur digitalisiert wurden. Viele bestehende Abläufe sind auf menschliche Bearbeitungsgeschwindigkeit ausgelegt, nicht auf Systeme, die in Echtzeit reagieren. Nur wenn feststeht, wer wofür verantwortlich ist, welche Fristen gelten und wann ein Mensch freigeben muss, kann KI zuverlässig mitarbeiten. Ein schlechter Prozess wird durch KI nicht automatisch besser – er läuft nur schneller ab.
Drittens braucht es Nachvollziehbarkeit. Teams müssen sehen können, worauf sich eine KI-Empfehlung stützt, was automatisch gelaufen ist und wer am Ende freigegeben hat. Bei Mängeln, Nachträgen oder haftungsrelevanten Fällen erwarten Auftraggeber und Versicherer zunehmend eine lückenlose Nachvollziehbarkeit. PlanRadar setzt hier auf zertifizierte ISO-Sicherheitsstandards und darauf, Kundendaten nicht für das Training eigener KI-Modelle zu verwenden, sodass Antworten auf den jeweiligen Projektkontext beschränkt bleiben.
Operative Transparenz wird zum Wettbewerbsfaktor
Genau an dieser Schnittstelle setzt auch die tägliche Arbeit von PlanRadar an: Strukturierte, zugängliche Projektdaten sind keine technische Nebensache, sondern die Voraussetzung dafür, dass KI in der Praxis überhaupt verlässlich arbeiten kann. Darin liegt der eigentliche Wert von KI: nicht in spektakulären Demos, sondern darin, Projektdaten schneller in nachvollziehbare Entscheidungen zu übersetzen. Die Technik ist in vielen Unternehmen längst da. Was fehlt, ist die Verbindung zwischen Daten und Prozessen – und genau das dürfte in den kommenden Jahren stärker über Erfolg oder Misserfolg von KI-Projekten entscheiden als jede einzelne Technologieentscheidung.
Wie das in der Praxis aussieht, lässt sich vom 5. bis 7. Oktober auf der EXPO REAL in München beobachten – unter anderem am Stand von PlanRadar in Halle A2, Stand A2.332.
Vertieft wird das Thema am 12. November beim KI Forum München, einem Executive-Forum für Führungskräfte aus der Bau- und Immobilienbranche. Es geht genau um die Frage aus diesem Text: Wie wird aus KI-Hype echter Mehrwert – durch saubere Daten, klare Prozesse und eine durchdachte Einführung? Mit dabei sind Michael Buck (Convidera, Digitalstrategie und Venture Building), Prof. Dr. Cornelius Preidel (Hochschule München, BIM und Datenstandards) und Martin Pietzonka (Senior Leiter Innovation, Drees & Sommer-Gruppe, und Head of Startup Hub). Termin: 13:30 bis 18:00 Uhr, HBW Conference Center München. Interessierte können sich schon jetzt unverbindlich registrieren: https://www.planradar.com/de/lp/ki-forum-muenchen-interesse/
