Ehemaliger Börsenstandort wird zum Bildungscampus
Frankfurter Lateral Towers konnten nach nur zweieinhalb Jahren Umbau komplett in Betrieb genommen werden. Drei Schulen arbeiten dort auf 46.000 Quadratmetern Bestandsfläche.
Das ehemalige Frankfurter Bürogebäude Lateral Towers ist nun vollständig für eine schulische Nutzung umgebaut und dient seit diesem Schuljahr als Standort für drei Schulen. Neben den beiden jüngsten Frankfurter Gymnasien – dem Stadtgymnasium Frankfurt und dem Margot-Friedländer-Gymnasium – ist dort inzwischen auch die Julius-Leber-Schule verortet. Denn im Rahmen einer umfassenden Sanierung musste die berufliche Schule ausgelagert werden.
„Es ist hier ein besonderer Bildungsort entstanden, an dem aktuell drei Schulen unter einem Dach arbeiten. Der Umbau des Bürogebäudes konnte fristgerecht abgeschlossen werden. Das ermöglicht nun den beiden neuen Gymnasien, dort in einem guten Umfeld aufzuwachsen. Damit konnten wir zeigen, dass wir Schulen sehr gut in ehemaligen Bürogebäuden unterbringen können. Die Flächen und Lernlandschaften folgen unserem ‚Planungsrahmen für Weiterführende Schulen‘ und sind mit modernem Mobiliar ausgestattet. Zudem konnten wir für die Julius-Leber-Schule, die aufgrund von Sanierungsarbeiten ausgelagert werden musste, eine passende Übergangslösung finden. Eine ganze Schule auszulagern, stellt uns immer vor große Herausforderungen. Umso erfreulicher ist es, dass in den Lateral Towers noch ausreichend Platz für eine dritte Schule war. Auch wirtschaftlich gesehen ist es sinnvoll, das Gebäude voll auszulasten“, erläutert Bildungsdezernentin Sylvia Weber. „Perspektivisch werden wir daher im Rahmen unserer Schulbauoffensive in allen Bildungsregionen dauerhafte Auslagerungsstandorte schaffen, die dann von mehreren Schulen genutzt werden können.“
„Mit dem Umbau hat das Amt für Bauen und Immobilien zusammen mit dem Eigentümer CELLS eine logistische und bauliche Meisterleistung hingelegt: Während die Schulen ihren Betrieb auf dem Gelände aufgenommen haben, wurde parallel ein zeitgemäßer, funktionaler und freundlich gestalteter Bildungscampus entwickelt und umgesetzt. Dass das Großprojekt in nur zweieinhalb Jahren realisiert werden konnte, ist deshalb gelungen, weil das Amt für Bauen und Immobilien, das Stadtschulamt und die Bauaufsicht, Vermieter, Planungs- und Bauunternehmen sehr eng zusammengearbeitet, Probleme gemeinsam gelöst und Entscheidungen schnell getroffen haben. Dafür danke ich allen Beteiligten“, sagt Wolfgang Siefert, Dezernent für Bauen, Liegenschaften und Kliniken. „Die Lateral Towers zeigen zudem, wohin Schulbau in einer Stadt mit enormer Flächenkonkurrenz gehen muss: Wir müssen den Bestand viel konsequenter und kreativer nutzen. Dieser Ansatz wird auch im Rahmen einer nachhaltigen, ressourcenschonenden Stadtentwicklung immer wichtiger, denn ein großer Teil der Bausubstanz und damit der gebundenen grauen Energie bleibt erhalten. Nachhaltigkeit bedeutet nicht, weniger zu bauen oder auf Qualität zu verzichten, sondern klug mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen.“

Fotocredit: Stadt Frankfurt / Maik Reuß
Logistisch komplex: Vom Bürostandort zum nachhaltigen Schulgebäude
Bis zum Jahr 2001 diente der Standort als Sitz der Deutschen Börse AG. Die Stadt hat das Gebäude vom Immobilienunternehmen CELLS angemietet, das das Bürogebäude im Auftrag des Eigentümers zu einem Schulstandort umgebaut hat. Es handelt sich dabei um ein Projekt der ersten Staffel der Schulbauoffensive.
Norman Schaaf, Chief Development Officer (CDO) bei CELLS, sagt: „Die Lateral Towers zählen zu den größten bislang realisierten Umnutzungen eines Bürokomplexes zu einem Schulcampus in Deutschland. Mehr als 40.000 Quadratmeter Schulfläche innerhalb von rund zweieinhalb Jahren für mehrere tausend Schülerinnen und Schüler umzubauen, ist auch im Vergleich mit anderen Transformationsprojekten eine Besonderheit. Möglich war das vor allem, weil die Architektur des Bestands sehr gute Voraussetzungen mitgebracht hat: großzügige Raumhöhen, geeignete Gebäudetiefen, gute Belichtung, weitgehende Barrierefreiheit und große Freiflächen. Darauf konnten wir aufbauen und das Gebäude bei Erschließung, Brandschutz und Wegeführung konsequent auf die deutlich höheren Nutzungsdichten und funktionalen Anforderungen eines modernen Schulbetriebs ausrichten. Das Projekt zeigt, welches Potenzial hochwertige Bürogebäude für neue Nutzungen haben können und wie schnell im Bestand dringend benötigte Bildungsinfrastruktur entstehen kann.“
Bereits zum Schuljahr 2024/25 wurden hier die ersten Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Das Stadtgymnasium und das Margot-Friedländer-Gymnasium – damals noch unter dem Namen Neues Gymnasium Frankfurt – nahmen in einer Containeranlage auf dem Gelände ihre Arbeit auf. Denn das Bürogebäude war zu dem Zeitpunkt noch nicht für eine Schulnutzung hergerichtet.
Bereits ein Schuljahr später konnte die Containeranlage zurückgebaut werden und die Schulen konnten in das umgebaute Bürogebäude ziehen. Zunächst nutzten sie nur die Bauteile 7 und 8 – in anderen Bereichen wurde noch am Umbau gearbeitet. Da die neu gegründeten und somit aufwachsenden Schulen nur mit jeweils zwei Jahrgängen einzogen, war das gut umsetzbar. Auch im laufenden Schuljahr – und inzwischen mit je drei Jahrgängen – nutzen die Gymnasien nicht alle Räume in den Lateral Towers. Somit steht ausreichend Platz für die berufliche Julius-Leber-Schule bereit.
Das Stadtgymnasium Frankfurt und das Margot-Friedländer-Gymnasium sind sechszügig geplant. Wenn sie vollständig aufgewachsen sind, werden sie das gesamte Gebäude benötigen. Bis dahin wird die Sanierung der Julius-Leber-Schule abgeschlossen sein, so dass die Schule wieder an ihren Standort zurück ziehen kann.
Das Raumkonzept: offene Lernorte, klares Farbleitsystem
Das Projekt demonstriert, was nachhaltiges Bauen im Bestand leisten kann. „In dem Projekt mussten wir Schulbau völlig neu denken, aber wir haben früh erkannt, dass die Grundstruktur des Gebäudes eine optimale Grundlage für funktionierende, ganz unterschiedliche Lehr- und Lernformate bietet“, so Laura Kuhnert, Projektleiterin für die Lateral Towers im Amt für Bauen und Immobilien.
So hat das Amt für Bauen und Immobilien gemeinsam mit dem Projektentwickler CELLS die für einen Schulbetrieb notwendigen neuen Erschließungs- und Brandschutzlösungen geschaffen und Lern- sowie Aufenthaltsbereiche neu organisiert. Um den – im Verhältnis zum Bürobetrieb – höheren und stärker gleichzeitig stattfindenden Verkehrsströmen in Schulen gerecht zu werden, wurden zwei neue, außen liegende Treppenhäuser zwischen den Bauteilen errichtet. Grundrissveränderungen im gesamten Gebäude erforderten die hellen Klassenräume und die vielen großzügig gestalteten, etwa 4.570 Quadratmeter großen, offenen Lernbereiche. Zusätzlich gliedert ein neues Gebäudefarbleitsystem mit acht abgestuften Farben – im Westflügel mit warmen Rottönen, im Ostflügel mit kühlen Grüntönen – den langgestreckten Bau mit seinen acht Bauteilen.
Auch der großzügige Außenbereich mit seinem großen Baumbestand wurde für Bewegung und Lernen neugestaltet und mit zwei „grünen Klassenzimmern“ sowie Hochbeeten ausgestattet. Es stehen nun neue Sportanlagen, unter anderem ein Fußball- und Basketballfeld, eine Hundert-Meter-Laufbahn und eine Weitsprunganlage zur Verfügung. Auf der Fläche des ehemaligen Büro-Parkhauses entsteht in den nächsten zwei Jahren eine zweigeschossige, wettkampftaugliche Sechsfeld-Sporthalle mit Tribüne, die – mit ihrer für den Schulbau beachtlichen Größe – nicht nur dem Campus, sondern auch dem Frankfurter Vereinssport zusätzliche Kapazitäten bieten wird.
Auch die Mobilität wurde berücksichtigt: Über 980 Fahrradstellplätze stehen neben rund 150 Pkw-Stellplätzen zur Verfügung.
Die langfristige Nutzung ist über einen 30-jährigen Mietvertrag mit der Stadt gesichert.
