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Bauträgerinsolvenzen steigen seit 2022 um 119 Prozent

BSB fordert schnellen Schutz für Wohnungskäufer

Berlin, 05.11.2026

Eine neue Studie der Prognos AG im Auftrag des Bauherren-Schutzbund e. V. (BSB) zeigt: Die Zahl der erfassten Bauträgerinsolvenzen stieg von 141 im Jahr 2022 auf 309 im Jahr 2025, ein Plus von rund 119 Prozent. Prognos-Experte Dr. Andreas Sachs stellte die Untersuchung heute beim Baupolitischen Forum des BSB in Berlin vor. Der BSB fordert nun rasche Konsequenzen und einen Ausbau des gesetzlichen Verbraucherschutzes.

Die Prognos-Auswertung auf Basis von North Data erfasst für 2018 bis 2025 insgesamt 1.414 Bauträgerinsolvenzen. Das sind rund 20 Prozent mehr als in der Statistik des Statistischen Bundesamtes (Destatis), weil sie auch Insolvenzen von Unternehmen berücksichtigt, die neben ihrem Hauptgeschäft als Bauträger tätig sind. Die Studie zeigt aber nicht nur ein größeres Gesamtausmaß, sondern auch einen deutlichen Anstieg seit 2023, der bis heute anhält. Hinzu kommt, dass seit der Zinswende immer mehr sehr große Bauträger Pleite gehen. Von den Fällen mit Angaben zu den Verbindlichkeiten hatten 2025 rund 14 Prozent Schulden von mindestens 7,5 Millionen Euro. Bis 2022 lag dieser Anteil bei etwa fünf Prozent. Insgesamt waren die Verbindlichkeiten je Insolvenzfall 2022 bis 2025 im Schnitt um 82 Prozent höher als von 2018 bis 2021. Wenn große Projektgesellschaften in Schwierigkeiten geraten, betrifft das häufig viele Käufer gleichzeitig.

„Die Studie macht deutlich: Das Ausmaß drohender Bauträgerinsolvenzen ist größer als bislang angenommen. Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Zugleich nehmen seit der Zinswende nicht nur die Fälle weiter zu, das Insolvenzgeschehen verschiebt sich auch hin zu größeren Unternehmen. Das muss ein Weckruf für die Politik sein“, sagt Henrik Fork-Weigel, Geschäftsführer des BSB.

Die Folgen der zunehmenden Bauträgerpleiten reichen über die betroffenen Erwerber:innen hinaus. Mehr Insolvenzen bedeuten auch weniger fertiggestellter Wohnfläche: Bei sehr großen Insolvenzen der obersten Größenklasse ergibt sich für einen typischen Landkreis laut Studie ein Rückgang von rund drei bis fünf Prozent.

Für Käufer:innen kommt besonders erschwerend hinzu: Sie leisten Abschlagszahlungen nach Baufortschritt, während das Grundstück bis zur Eigentumsumschreibung beim Bauträger bleibt. Gerät das Vorhaben ins Stocken, können Finanzierungskosten, Miete, Rechtskosten und zusätzliche Ausgaben für die Fertigstellung schnell zum existenzbedrohenden Fiasko werden.

„Menschen, die vom Bauträger kaufen, brauchen endlich mehr Sicherheit für ihre Investitionen und die Möglichkeit, auf erhebliche Probleme beim Bau bis hin zur Insolvenz des Bauträgers reagieren zu können. Die Bundesregierung muss jetzt dringend zwei Dinge umsetzen: das Teilkündigungsrecht wieder einführen und Abschlagszahlungen verpflichtend absichern“, so Fork-Weigel.

Der BSB fordert:

  • Teilkündigungsrecht wieder einführen: Verbraucher:innen sollen den werkvertraglichen Teil des Bauträgervertrags bei wichtigem Grund kündigen können, ohne ihren Anspruch auf Eigentumsübertragung und die Auflassungsvormerkung aufgeben zu müssen. So könnten sie die noch ausstehenden Bauleistungen anderweitig vergeben. Nach dem Vorschlag des BSB müsste dafür in § 650u Absatz 2 BGB lediglich der Verweis auf § 648a BGB gestrichen werden.
  • Abschlagszahlungen verpflichtend absichern: Der BSB schlägt ein gesetzliches Wahlrecht zwischen zwei geschützten Modellen vor: Entweder werden 96,5 Prozent des Kaufpreises erst bei Bezugsfertigkeit und Besitzübergabe fällig. Oder Erwerber:innen zahlen Abschläge nach Makler- und Bauträgerverordnung und erhalten gleichzeitig ein gesetzlich geregeltes, abgesichertes Rückabwicklungsrecht für den Fall der Insolvenz des Bauträgers.

Trotz der hohen Fallzahlen und den dramatischen Auswirkungen für betroffene Verbraucher:innen kommt eine gesetzliche Reform nur schleppend voran: Eine vom Bundesjustiz- und Verbraucherschutzministerium mit Expert:innen einberufene Arbeitsgruppe legte bereits 2019 konkrete Vorschläge dazu vor. Die 2026 veröffentlichte Evaluation der Bauvertragsrechtsreform sieht beim Teilkündigungsrecht Änderungsbedarf. Der Koalitionsvertrag enthält zudem einen Prüfauftrag zum Schutz vor Bauträgerinsolvenzen.

„Aus dem Prüfauftrag für einen besseren Verbraucherschutz bei einer Bauträgerinsolvenz muss dringend ein konkretes Gesetzesvorhaben werden. Die Bundesregierung muss endlich ins Handeln kommen. Verlässlicher Verbraucherschutz schützt Menschen auf dem Weg ins Wohneigentum und stärkt das Vertrauen, das private Investitionen in den Wohnungsbau brauchen“, erklärt Fork-Weigel.

Die vollständige Studie „Bauträgerinsolvenzen in Deutschland – Ausmaß, Folgen, Handlungsoptionen“ der Prognos AG kann hier heruntergeladen werden: www.bsb-ev.de/studien

Das Positionspapier „Mehr Verbraucherschutz beim Wohnungskauf“ steht hier zum Download zur Verfügung: www.bsb-ev.de/politik-presse/positionen-und-stellungnahmen

Den Nachbericht des Baupolitischen Forums 2026 lesen Sie ab kommender Woche hier: www.bsb-ev.de/bpf