Energiewende im Wohnungsbestand braucht verbindlichen Schulterschluss
Schleswig-Holstein zeigt einen praxistauglichen Weg – Realisierungsvereinbarung verbindet Klimaschutz, bezahlbares Wohnen und Investitionsfähigkeit
Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW begrüßt die schleswig-holsteinische Realisierungsvereinbarung zur klimaneutralen Transformation des Wohnungsbestandes als sinnvollen und nachahmenswerten Ansatz. Ziel ist ein gemeinsam getragener, praxistauglicher Transformationspfad, der ambitionierten Klimaschutz mit bezahlbarem Wohnen und der Investitionsfähigkeit der Wohnungsunternehmen verbindet. Die Staatskanzlei Schleswig-Holstein und der Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) haben sich deshalb in einem gemeinsamen Schreiben von Staatskanzleichef Dirk Schrödter und VNW-Direktor Andreas Breitner an die anderen Bundesländer gewandt, um für vergleichbare, an die jeweiligen regionalen Bedingungen angepasste Lösungen zu werben.
Zu den zentralen Elementen der Vereinbarung gehören die energetische Sanierung, die Umstellung der Wärmeversorgung, ein steigender Anteil erneuerbarer Energien sowie die Fortführung von Beratung und Förderung. Zugleich trägt sie dem Umstand Rechnung, dass im Gebäudesektor auch nach 2040 Restemissionen verbleiben können. Um das landesweite Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, müssen diese in der Gesamtbilanz durch zusätzliche Minderungen in anderen Bereichen und den Abbau von Treibhausgasen ausgeglichen werden.
„Die Energiewende im Gebäudesektor wird nicht durch immer neue Einzelpflichten und theoretische Zielvorgaben gelingen. Sie braucht einen gemeinsam vereinbarten, verlässlichen und finanzierbaren Umsetzungsweg. Schleswig-Holstein zeigt, wie es gehen kann: Politik, Wohnungswirtschaft, Mieter- und Sozialverbände verständigen sich darauf, wie Emissionen wirksam gesenkt werden können, ohne Mieterinnen und Mieter zu überfordern und den Wohnungsunternehmen die notwendige Kraft für Investitionen zu nehmen“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW.
Der größte Hebel liegt in der konsequenten Dekarbonisierung der Strom- und Wärmeversorgung. Gleichzeitig müssen Gebäudesanierung, Heizungsumstellung, kommunale Wärmeplanung, Energieinfrastruktur und Förderung ineinandergreifen. Zur Ehrlichkeit gehört auch, unvermeidbare Restemissionen offen zu benennen und sektorenübergreifend zu berücksichtigen. Das ist eine Voraussetzung dafür, dass die Energiewende praktisch funktioniert, bezahlbar bleibt und gesellschaftlich getragen wird. Der schleswig-holsteinische Weg kann hierfür auch anderen Bundesländern eine wichtige Orientierung bieten.
Die besondere Stärke des Ansatzes liegt im breiten Schulterschluss von Landesregierung, Wohnungswirtschaft, Eigentümervertretungen, Mieterbund und Sozialverbänden. Das schafft Akzeptanz und Planungssicherheit und bringt die Klimaziele mit den technischen, wirtschaftlichen und sozialen Realitäten im Wohnungsbestand zusammen.
Auf die jeweiligen regionalen Bedingungen zugeschnittene Realisierungsvereinbarungen können so zu einem wichtigen Instrument werden, um Klimaschutz, kommunale Wärmeplanung, verlässliche Förderung, soziale Absicherung und die Investitionsfähigkeit der Wohnungsunternehmen wirksam miteinander zu verbinden.
