Fünf Entwürfe, eine Haltung, VEEDL-Verfahren an der Brühler Straße entschieden
Das Kölner Stadtentwicklungsprojekt VEEDL hat am Donnerstag in Köln den auf Rang 1 gesetzten und zur Weiterbearbeitung empfohlenen Entwurf für sein Modellquartier an der Brühler Straße 210 bis 212 vorgestellt. Einstimmig durchgesetzt hat sich das Büro caspar. Fünf renommierte Architekturteams aus Köln, Berlin und Hannover hatten Vorschläge eingereicht, wie aus einem innerstädtischen Industrieareal ein gemischt genutztes Quartier für rund 450 Menschen werden kann, sozial durchmischt, klimaresilient, produktiv.
Der Entwurf von caspar
Das Büro caspar. überzeugte die Jury unter Vorsitz von Jürgen Minkus insbesondere mit einer stabilen städtebaulichen Grundstruktur, einer prägnanten Höhenentwicklung und der konsequenten räumlichen Übersetzung der VEEDL-Ziele. Die Entscheidung fiel einstimmig. Der Entwurf setzt auf drei markante Baukörper, die dem Quartier eine klare Ordnung geben und das „Veedelsherz” durch 6- bis 7-geschossige Gebäude räumlich betonen. Durch die Höhenstaffelung sowie die differenzierte Dachlandschaft mit Dachgärten, Sheddächern und Photovoltaik entsteht ein vielschichtiges Quartiersbild mit eigener Identität.
„Der Entwurf verbindet ein starkes Zukunftsbild mit einer belastbaren und umsetzbaren städtebaulichen Struktur”, heißt es in der Jurybegründung. Gewürdigt wurde zudem, dass der Beitrag eine eigenständige Haltung zur Brühler Straße entwickelt und eine Quartiersidentität aus dem Ort heraus formuliert. Auch funktional bietet der Entwurf eine robuste Grundlage. Entreeplatz und Anlieferung sind schlüssig gelöst, die Tiefgaragenzufahrten integriert, und der bis zur Raderthaler Straße durchgesteckte Werkhof stärkt die Nutzbarkeit des Quartiers.

Caro Brandl, Projektleiterin VEEDL, ordnet die Entscheidung ein: „Eine gute städtebauliche Lösung erkennen wir daran, dass die Ziele, an denen wir in den vergangenen Jahren mit allen Beteiligten gearbeitet haben, jetzt räumlich verankert werden, wirtschaftlich tragfähig und unter den heutigen Rahmenbedingungen realistisch umsetzbar. Genau das leistet dieser Entwurf.”
Auch das Büro caspar. selbst beschreibt seinen Ansatz: „Die zentrale Idee ist, die unterschiedlichen Nutzungen der Stadt in diesem kleinen aber sehr feinen und sehr vielfältigen Quartier zusammenzubringen: Menschen, die dort leben, die dort arbeiten, die dort sich aufhalten; ihnen einen Ort zu geben und die Vielfalt der Stadt an diesem Ort abzubilden.” Jürgen Minkus, Vorsitzender der Jury, hebt den methodischen Charakter des Verfahrens hervor: „Dies ist ein wichtiger Schritt, um eine theoretisch sehr anspruchsvolle Aufgabe in eine räumliche Beziehung zu bringen. Das sieht man besonders stark am Modell.”
Ein Quartier als Antwort
Der Tag in der Kaygasse 5 bei der Metropol Immobiliengruppe war weniger ein klassisches Wettbewerbsverfahren als öffentliches Nachdenken über die Frage, wie Stadt im Jahr 2026 eigentlich noch gebaut werden sollte. Rund 40 Gäste aus Politik, Verwaltung, Fachwelt und Nachbarschaft diskutierten die Ergebnisse der zweiten Qualifizierungsstufe einer Mehrfachbeauftragung, ein Format, das VEEDL bewusst anders anlegt als den klassischen Architekturwettbewerb, mit mehrjähriger Vorarbeit, interdisziplinären Werkstätten und einer fachlich breit gefächerten Jury, die nicht nur auf Ästhetik, sondern auf wirtschaftliche Realisierbarkeit, soziale Tragfähigkeit und Klimaleistung schaut.
Dass der Ansatz Resonanz findet, zeigen auch die Stimmen aus Politik und Verwaltung. Bezirksbürgermeisterin Dr. Sabine Müller: „Wir freuen uns sehr, dass wir bei uns im Bezirk eine so innovative Entwicklung bekommen. Bei uns gibt es viele unterschiedliche Entwicklungen, gerade im urbanen Bereich, aber auch im Außenbereich. VEEDL ist für uns spannend.”
Markus Greitemann, Dezernent für Planen und Bauen der Stadt Köln, ergänzt: „Ja VEEDL hat unsere stadtentwicklungspolitischen Ziele durch ihr Handeln, durch ihre Prozesse und ihre Abläufe in die Umsetzung gebracht. Ganz konkret sie haben Bürgerbeteiligungsprozesse aus sich heraus vorangetrieben, haben die Anwohner, die Nachbarschaften befragt, haben die Stadt befragt: wie kann man ein gutes Quartier gestalten, was klimaresilient, lebenswert, aber auch die Möglichkeiten zum Arbeiten, zum Verweilen, zum Leben und zum Lieben hat. Das alles braucht man, um ein gutes Quartier zu entwickeln und das hat VEEDL an dieser Stelle geschafft.”
Heike Neumann, bei VEEDL verantwortlich für die integrierte Planung, ordnet den Tag in einen größeren Zusammenhang ein. Vom Menschen aus zu planen fordert neue Wege, und genau darin liegt für sie die Chance: „Wir haben die Architekturbüros gebeten, nicht mit den Häusern anzufangen, sondern mit dem Dazwischen. Mit der Bank, auf der sich zwei Nachbarn zum ersten Mal begegnen. Mit dem Weg, den ein Kind allein zur Schule nehmen kann. Erst danach kamen die Gebäude. Diese Umkehrung ist für mich der Kern von VEEDL.”
Die fünf Entwürfe eint ein gemeinsamer Ausgangspunkt, die seit 2023 in Werkstätten, Bürgerdialogen und Fachrunden entwickelten Leitlinien des Projekts, verankert in der VEEDL-Charta, abgestimmt mit den Kölner Perspektiven 2030+ und dem Prinzip der 15-Minuten-Stadt. Was sie unterscheidet, sind die räumlichen Antworten.
Die fünf teilnehmenden Büros im Überblick
• caspar. (Köln, Hamburg, Frankfurt am Main, Riad), „Das VEEDL Köln”, ein Quartier, das vom Herzen aus denkt, zentrale Mitte, drei Tore, klare Wege.
• schultearchitekten (Köln, Paris) mit raumwerk.architekten (Köln), „Wir sind VEEDL. Kreativ. Gemeinschaftlich. Gesund.” Ein Quartier, das Bestand weiternutzt und Gesundheit in den Alltag einbaut.
• BeL Sozietät für Architektur (Köln), „Das neue Köln kommt zusammen”, ein durchgehender Linearpark als grünes Rückgrat, Vorrang für Fuß- und Radverkehr.
• CITYFÖRSTER architecture + urbanism (Hannover, Rotterdam), „VEEDL hoch Vier”, vier Bausteine, gemeinsam genutzt, kompakt gedacht, anpassungsfähig gebaut.
• Nieto Sobejano Arquitectos (Berlin, Madrid), drei Plätze, erhaltene Hallenstruktur, eine bewusst wilde Rückseite, Industriegeschichte als Zukunftsmaterial.
Alle fünf Arbeiten sind ab sofort unter www.VEEDL.de/wettbewerb einsehbar, inklusive Videos zu jedem Büro und O-Tönen aus dem Verfahren.
Wie es weitergeht
Mit dem Votum der Jury beginnt nicht das Ende, sondern die nächste Runde. Gespräche mit der Stadtverwaltung über die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen, Workshops zur Planungsvertiefung und die weitere Bearbeitung des Entwurfs von caspar. stehen an. Dabei sollen insbesondere die Differenzierung der Zwischenräume, die Maßstäblichkeit der öffentlichen und grünen Räume sowie einzelne funktionale Fragen weiter präzisiert werden. Auch einzelne Qualitäten aus den anderen Entwürfen, insbesondere aus dem Beitrag von schultearchitekten zur Mitte des Quartiers, fließen in die Weiterbearbeitung ein.
