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Spitzenmieten im Handel: Düsseldorf läuft Berlin den Rang ab

Erstmals seit Jahren kommt Bewegung in das Feld der teuersten Einkaufsstädte

Berlin, 20.04.2026

Nach Jahren, in denen die Rangfolge der teuersten Einkaufsstädte zementiert schien, kommt nun Bewegung in die Spitzengruppe. Zwar bleibt München mit unveränderten 340 Euro/m²/Monat der teuerste Einzelhandelsstandort Deutschlands. Doch dahinter verzeichnete Düsseldorf einen Anstieg von 270 Euro auf 290 Euro (plus 7,4 Prozent), während Berlin einen leichten Rückgang von 290 Euro auf 280 Euro (minus 3,4 Prozent) hinnehmen musste und damit Rang zwei an Düsseldorf verlor. Die Hauptstadt liegt jetzt gleichauf mit Frankfurt am Main, das um zehn Euro auf 280 Euro kletterte.

Hamburg und Stuttgart blieben mit jeweils 250 Euro stabil ebenso wie Köln mit 225 Euro, Hannover mit 170 Euro und Leipzig mit 110 Euro. Den stärksten Rückgang verzeichnete Nürnberg mit einem Minus von 15,4 Prozent auf 110 Euro.

Aniko Korsos, Head of Retail Leasing JLL Germany: „Spitzenmieten sind ein wichtiger Indikator für das Vertrauen der Händler in die deutschen Toplagen. Düsseldorf hat in den vergangenen Jahren viel in seine Innenstadt investiert und zieht mittlerweile im Hochpreissegment ein internationales Publikum an, ohne selbst eine internationale Metropole zu sein. Berlin erlebt derweil nach Jahrzehnten als Trendstadt erstmals eine Konsolidierung. Für alle Städte zeichnet sich vorerst eine Stabilisierung ab. Alle zehn Märkte werden voraussichtlich ihre aktuellen Spitzenmieten beibehalten.“

Für die weiteren 56 von JLL untersuchten Städte blieben in den Einwohnerklassen von 500.000 Einwohnern und mehr sowie der angrenzenden Klasse von 250.000 bis 500.000 Einwohnern die Spitzenmieten unverändert. In den kleineren Städten von 100.000 bis 250.000 Einwohnern sowie unter 100.000 Einwohnern zeigten sich die Spitzenmieten ebenfalls stabil. Im deutschlandweiten Durchschnitt aller 66 untersuchten Städte blieb das Mietniveau somit nahezu konstant.

Flächenumsatz rückt wieder an die Marke von 100.000 m² zurück


Derweil ist der Markt nach dem Höhenflug des vergangenen Jahres wieder etwas bescheidener ins Jahr 2026 gestartet: 103.100 m² Ladenfläche wurden im ersten Quartal angemietet. Dieser Flächenumsatz liegt knapp zehn Prozent unter dem aktuellen Fünfjahresdurchschnitt von 115.200 m² für ein erstes Quartal. Insgesamt wurden 171 Deals gezählt. Das liegt zwar auf dem Niveau des Vorquartals mit 174, doch hatte dieses bereits einen Rücksetzer von zuvor 232 Abschlüssen bedeutet.

„Bemerkenswert ist die Verschiebung in der Struktur der Anmietungen: Der Anteil von Deals in den zehn Metropolen stieg im ersten Quartal 2026 auf 49 Prozent – der höchste Wert seit dem dritten Quartal 2023. Dies deutet darauf hin, dass trotz der insgesamt verhaltenen Nachfrage strategische Anmietungen weiterhin umgesetzt werden. Gleichzeitig erreichte der Anteil internationaler Konzepte mit 56 Prozent ebenfalls einen Spitzenwert, was die Attraktivität des deutschen Einzelhandelsmarkts für globale Player unterstreicht“, sagt Aniko Korsos.

Unter den zehn bedeutendsten Einzelhandelsmärkten erzielt Berlin im ersten Quartal 2026 mit 23.700 m² den mit Abstand höchsten Vermietungsumsatz. Dies entspricht einem deutlichen Plus von 91 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal und unterstreicht die herausragende Stellung der Hauptstadt als Expansionsziel im deutschen Einzelhandel.

Die NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf folgt auf Platz zwei mit 7.500 m² und verzeichnet ebenfalls ein kräftiges Wachstum von 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hannover komplettiert das Spitzentrio mit insgesamt 4.700 m² und einem Plus von 62 Prozent – ein bemerkenswertes Ergebnis für einen traditionell kleineren Markt.

Deutlich verhaltener präsentieren sich hingegen die klassischen Einzelhandelshochburgen: Stuttgart erzielt mit 4.100 m² ein Minus von 25 Prozent, während München mit 3.800 m² rund 41 Prozent einbüßt. Besonders auffällig sind die deutlichen Rückgänge in Hamburg (minus 70 Prozent auf 3.200 m²) und Frankfurt/Main (minus 78 Prozent auf 1.900 m²).

Köln verzeichnet mit 1.300 m² einen Rückgang von 75 Prozent, während Leipzig mit 800 m² um 33 Prozent zurückfällt und damit nicht an die Dynamik des Vorjahres anknüpfen kann.

Jack & Jones, Primark und Lefties sind auf Expansionskurs

Im Branchenvergleich entfielen auf den Textilhandel insgesamt 28 Prozent der Fläche – weiterhin der Spitzenplatz unter allen Branchen. Mit rund 28.700 m² angemietetem Flächenvolumen zeigt sich der Sektor als wichtigster Treiber des Einzelhandelsvermietungsmarkts im ersten Quartal 2026. Besonders aktiv waren dabei die Marke Jack & Jones mit drei Neuanmietungen. Auch Primark sowie Lefties trugen zur Expansionsdynamik bei.

Die zweitstärkste Branche war erneut der Bereich Gastronomie/Food, der 21 Prozent des Gesamtvolumens beziehungsweise etwa 21.700 m² anmietete. Der Großteil der Abschlüsse stammt aus dem gastronomischen Segment. Zu den expansivsten Formaten zählten hier im ersten Quartal Edeka, Goldies sowie 60 seconds to napolimit jeweils mehreren Neuanmietungen.