Mietrechtsreform: Regulierung verschärft Angebotsprobleme im Wohnungsmarkt
Die aktuelle Mietrechtsreform zielt darauf ab, Mieterinnen und Mieter stärker zu schützen und die Bezahlbarkeit von Wohnraum zu sichern. Aus Sicht von Mr. Lodge drohen jedoch unbeabsichtigte Nebenwirkungen, die insbesondere das ohnehin knappe Angebot weiter reduzieren könnten.
Fokus auf Regulierung in einem angespannten Markt
Die Reform setzt verstärkt auf Eingriffe in bestehende Mietverhältnisse und nimmt dabei auch die möblierte Vermietung in den Fokus. Gerade dieses Segment erfüllt jedoch eine wichtige Funktion im Wohnungsmarkt: Es bietet flexible Lösungen für Menschen, die berufsbedingt temporär in Städten wie München leben – etwa Fachkräfte, Projektmitarbeitende oder Berufseinsteiger.
Rückgang von Angebot und Investitionsbereitschaft
Aus Marktperspektive ist zu erwarten, dass zusätzliche regulatorische Vorgaben die Investitionsbereitschaft dämpfen. Wenn sich möblierte Vermietung über mittlere Zeiträume wirtschaftlich weniger rechnet, werden Eigentümer ihr Engagement in diesem Bereich reduzieren oder Wohnungen dem Markt entziehen. Die Folge ist ein weiter sinkendes Angebot – insbesondere in einem Segment, das bislang zur Entlastung beigetragen hat.
Konkrete Auswirkungen für Mieter und Unternehmen
„Für Mietinteressenten wird der Zugang zu flexiblen, möblierten Wohnlösungen deutlich schwieriger. Wenn sich die Vermietung wirtschaftlich weniger rechnet, werden weniger Wohnungen angeboten. Das verschärft die Situation am Wohnungsmarkt insgesamt – insbesondere für Fachkräfte, Unternehmen und Menschen, die neu in die Stadt kommen“, so Norbert Verbücheln, Geschäftsführer von Mr. Lodge in München sowie des Zeitwohnwerks, Deutschlands größtem Netzwerk für Wohnen auf Zeit.
Zunehmende Ungleichbehandlung im Mietrecht
Hinzu kommt eine zunehmende Differenzierung innerhalb des Mietrechts, das einem 2-Klassen Recht für Immobilieneigentümer gleichkommt. Neubauimmobilien mit Erstbezug nach dem 1. Oktober 2014 sind von den Regulierungen ausgenommen, und das aus gutem Grund, da die Politik den Wohnungsmarkt ansonsten vollständig ersticken würde. Ältere Bestandsimmobilien mit Erstbezug vor dem 1. Oktober 2014 erfahren immer strengere Regulierungen, werden dadurch für die Vermietung zunehmend unattraktiv und verschwinden womöglich vom Markt – dabei werden auch sie am Mietmarkt dringend benötigt und können zudem ihrer Rolle als existentielle Altersvorsorge für sehr viele Privatvermieter nur gerecht werden, wenn sie zuverlässig kostendeckende Mieteinnahmen erwirtschaften können.
Planungsunsicherheit für Investoren
Auch die Planbarkeit für Investoren wird durch die Reform nicht gestärkt. Wer in Wohnimmobilien investiert, ist auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen. Um die hohen Kaufpreise darstellen zu können, sind hohe Mietpreise erforderlich. Immobilienkäufer müssen darauf vertrauen können, dass sie nicht übermorgen durch die Regierung weiter reglementiert werden. Weitere regulatorische Unsicherheiten können dazu führen, dass Investitionen zurückgestellt oder ganz unterlassen werden.
Nachhaltige Lösungen erfordern Angebotsstärkung
Die Marktpraxis zeigt, dass nachhaltige Entlastung vor allem durch ein ausreichendes Angebot entsteht. Dafür braucht es stabile Rahmenbedingungen, Investitionsanreize und eine differenzierte Betrachtung der verschiedenen Marktsegmente.
